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04. Oktober bis 18. November
Cornelia Martin-Garcia

Cornelia Martin-Garcia

Der menschliche Körper ist in all seinen Ausdrucksformen der am meisten dargestellte Körper in der Kunst. Dieser magischen Anziehungskraft bin auch ich erlegen und forme Körper aus Stein. Durch langwieriges Abschlagen, Abraspeln und Absanden bzw. Schmirgeln der Steine, lege ich die endgültige Form frei. Ich habe mich dabei auf dieses urälteste Material der Entstehungsgeschichte der Erde festgelegt, weil eine Magie darin liegt, die mich fasziniert.
Die Schlanke und das Voll-Runde, das Filigrane, das Feine und das Kraftvolle, das Grobe, das Durchscheinende und das Matte, die Fülle und die Sparsamkeit, das Stolze und das Bescheidene, die Stille, die Eleganz, das Erotische einer Schwangeren oder einer Mutter mit Kind… der Bewegungsfluss, die Stille, der Gefühlsausdruck – kurz: die ganze Palette von Frau-sein interessiert mich.
Darüber hinaus moduliere ich abstrakte Skulpturen, die einer ganz anderen Bearbeitung und Herangehensweise bedürfen als der menschliche Körper. Dabei ergeben sich individuelle Formenregeln, die sich mit jedem Stein neu entwickeln.
Seit einigen Jahren stelle ich von meinen Arbeiten Repliken aus Bronze und Steinguss her.

Weitere Informationen: www.cornelia-martin-garcia.de



12. Juli bis 3. September


Stefanie Wollenhaupt

Stefanie Wollenhaupt beschäftigt sich skulptural mit Beziehungen zwischen zwei Formen. Dabei geht es der in Gummersbach lebenden Künstlerin nicht um den materiell gefüllten Raum, den zwei Plastiken einnehmen, sondern um den vom Betrachter selbst zu füllenden Zwischenraum.
Grundlage für Wollenhaupts Plastiken sind oft Anregungen aus der Natur. Während ihrer Bildhauerausbildung betrieb sie ausführliche Studien nach Knochen, da diese in schier unglaublicher Weise plastische Spannung, geronnene Bewegung und eine an die Aufgabe gebundene Ausformung haben.

Der Stein inspiriert die gebürtige Saarländerin zu einer gewissen Grundidee, die genaue Ausformung ergibt sich durch Erfassen der Skulptur - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Sie ertastet die Flächen und bekommt eine Antwort.

Stefanie Wollenhaupt arbeitet grundsätzlich fast nicht mit Maschinen, damit jede Skulptur Zeit hat, in ihr zu wachsen. Der Einsatz von Maschinen ist für sie eine Entfremdung mit dem Material und ist vom Prozess her ergebnisorientiert. Für sie kommt der Schaffensprozess in sich selbst zur Ruhe, wenn Raum und Umraum zu Ausgeglichenheit miteinander finden.

Eine Schaffensreihe der 1961 geborenen sind Engelqualitäten, mit der sie sich immer wieder beschäftigt. Inspiriert wurde diese durch die Worte von Anselm Grün in seinem Buch '50 Engel für das Jahr'. Auch hier wird der Raum vom 'Ich' und 'Du' zur zentralen Frage- Raum und Umraum - Raum und Zwischenraum.

Stefanie Wollenhaupt arbeitet seit 12 Jahren sowohl als Werk- und Kunstlehrerin als auch in der Schulleitung an der FWS. Ich empfinde es als eine Stütze, im plastischen Bereich damit beschäftigt zu sein, was hier im Sozialen meine Aufgabe ist. So bereichern sich die beiden Bereiche gegenseitig, wenn der Job mir die Zeit lässt, mich künstlerisch zu betätigen.

Sie ist Mutter von vier Kindern. Ihr jüngster Sohn lebt noch bei ihr.

 

10. Mai bis 5. Juli


Sandra Silbernagel

Auszüge eines Textes von Rippel-Manß über Sandra Silbernagel

Die Skulpturen von Sandra Silbernagel sind erst einmal schweigsam, zeitlos, ohne sichtbaren Gegenwartsbezug. Wir sehen Steingebilde, die wirken, als habe jemand in eine roh bearbeitete Oberfläche einen Fremdkörper eingedrückt, ein ebenmäßig geschliffenes Gebilde. Hier ist es eine Pyramide, dort ein Würfel, ein Kubus, oder eine lange Stelenform.

Man ist versucht, die Arbeiten mit Gegensatzpaaren zu erfassen. Sie sind matt und glänzend, statisch und dynamisch, rau und sanft. Obwohl damit die Oberflächen beschrieben sind, hat man das Gefühl, auch Eigenschaften des Steins zu benennen.

Für die moderne Bildhauerei ist eines der wichtigen Themen das Material, mit dem gearbeitet wird. Erst im 20. Jahrhundert hat sich die Vorstellung entwickelt, dass Bildhauer mit ihrer künstlerischen Gestaltung direkt auf das Material mit seinen Möglichkeiten und Beschränkungen reagieren.

Sandra Silbernagel stellt sich mit ihrem künstlerischen Vorgehen in diese Tradition.

Sie erforscht die Möglichkeiten des Materials Stein und geht dabei ihren ganz subjektiven Weg. Sie bearbeitet die Steine so, dass sie noch ihre Ausgangsform erkennen lassen. Die Künstlerin holt das Material dabei nicht ins Atelier, sie fährt hinaus, in die Natur, in die Stille eines abgelegenen Steinbruchs in Frankreich. Sie hat dort keinen Künstleraustausch, keine Abwechslung, sie ist dort alleine. Wer so arbeitet, muss sich und die gewaltige Natur, die archaischen Zeugen vergangener Erdzeitalter ringsum, aushalten.

Die Steine, die ihr da begegnen, sind für sie nicht Material, mit dem sie eine Formidee umsetzt. Sie entdeckt vielmehr umgekehrt im Vorgefundenen die Idee, greift künstlerisch ein, um das Charakteristische, das Eigene des Steins zu erforschen. Sie zeichnet ihm strukturierende Linien auf, wo sie mit dem Werkzeug eingreifen will, sie entscheidet, wo sie die mineralische Rinde des Steins belässt, wo sich eine geometrische Form herausarbeiten lässt, die der Ausgangsform sozusagen gemäß ist. Die Frage nach dem "Schneiden" des Steins und dem "Konstruieren" bekommt in solchen Arbeiten eine besondere Bedeutung: Die geometrischen Formungen, die sie herausschält, provozieren die Anmutung, der Stein besteht aus mehreren Teilen. Doch er bleibt ein Ganzes.

Die Künstlerin legt tiefe Schnitte ein, die eine Grenzlinie vom Belassenen zum Gestalteten markieren. Durch Abtrag bildet sie dann innerhalb die geometrischen Formen, die scheinbar aus dem Steininneren wachsen. Den geometrischen Formen gibt sie zusätzlich durch feinstes Schleifen einen völlig neuen Charakter. Die im Stein eingeschlossenen Spuren der Entstehung, Adern und Einschlüsse, scheinen auf, das reflektierende Licht gibt den geglätteten Flächen einen tiefen und geheimnisvollen Glanz.

Der Schnitt um eine räumliche Form herum zeigt die Anwendung von Kraft, die Künstlerin hantiert mit schweren Maschinen. Trotzdem bleibt das Anlegen der Schnitte eine Art meditativer Akt. Es ist ein Wechselspiel von Reaktion und Projektion, von künstlerischer Eigenidee und Korrespondenz zum Naturgeformten. Die Naturform des Steines, was er einschließt an Formbarkeit, Struktur, Schönheit und Dynamik, muss erkannt und gelesen und zum Sprechen gebracht werden. Der Stein ist nicht mehr Material, er ist sozusagen Medium.

Sandra Silbernagel vermittelt uns mit ihren Stein-Arbeiten etwas von ihrem Respekt vor dem Eigenleben und vor der Schönheit des Steins. Wenn wir freilich versuchen, solche Dinge, die auf der Ebene des Nicht-Rationalen liegen, zu formulieren, geraten wir in die Schwierigkeit, dass wir dafür eigentlich keine Begrifflichkeit haben. Es geht da darum - und das ist ein emotionaler Ansatz - sich in die Sprache der - unbelebten - Natur einzuhören und ihr zu antworten. Für uns eilige und rational orientierte Zeitgenossen ist das allemal ein spannender Ansatz. Die Kunstwerke vermitteln, trotz ihres kleinen Formates viel von der archaischen Kraft der Natur.

Weitere Informationen: www.sandrasilbernagel.de